23H-03 Von Sosopol/Bulgarien in die Türkei nach Ankara
29. September 2023, Freitag
Vom Campingplatz Shkorpilovtsi nach Sosopol
Wir lassen uns Zeit und kommen in Sosopol kurz vor 14.00 Uhr an. Die Straßen in Bulgarien sind in einem bedauerlichen Erhaltungszustand. Zum Teil ein Flickenteppich mit Absenkungen. Über die Berge von unserem Camping nach Burgas fährt es sich nicht sehr bequem. Auch die Strecke von Burgas nach Sosopol ist wellig und ein Flickenteppich.
Zum Kaffee trinken in die nebenan liegende Altstadt. Sehr angenehm. Ein Disneyland für Erwachsene. Es ist alles sehr schön für die Bedürfnisse der Touristen hergerichtet. In der Hochsaison muss es hier sehr voll sein. Jetzt in der Nachsaison sind viele Geschäfte und Gaststätten geschlossen und die Fußgängerzonen sind angenehm leer.
Für das Abendbrot haben wir uns ein Restaurant mit Meerblick ausgesucht.
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| Am Abend in Sozopol |
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| Sportboothafen in Sozopol |
Am Abend kommen Leute aus Frankfurt am Main per Zufall zum Schwatzen an unser Wohnmobil, das deutsche Kennzeichen machte neugierig. Sie liegen vorne im Hafen und sind mit ihrem 10m-Segelboot von Frankfurt aus unterwegs und freuen sich nach so langer Zeit wieder deute Laute zu hören. Sehr nettes Gespräch.
30. September 2023, Sonnabend
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| Blick vom LIDL-Parkplatz auf Strand und Altstadt von Sozopol |
Heute wollen wir auf einen Campingplatz im Ort Kiten, direkt am Ufer etwa 70 km entfernt.
Wir finden diesen Platz auch. Nur, hier kann man nicht stehen. Die Saison ist vorbei, alles im zusammenräumen, überall Müll und Durcheinander. Ne, das ist nichts für uns.
Weiter in den letzten Sportboothafen vor der Grenze nach Zarewo. Hier stehen wir sehr gut neben dem Klub der aktiven und ehemaligen Fischer.
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| Zarewo Sportboothafen |
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| Damit sind die Leute von gestern Abend unterwegs. Frankfurt am Main über Main-Donaukanal ins Schwarze Meer durch den Bosporus ins Marmara-Meer. |
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| Zarewo |
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| Links hinten das Hotel, einem Boot nachempfunden. |
Abendbrot im Hotelrestaurant am Hafen. Das Hotel ähnelt im äußeren einem Kreuzfahrtschiff.
1. Oktober 2023, Sonntag
Mit Beginn der Morgen-Dämmerung kommen hier die ersten Männer zum Angeln. Später werden es immer mehr. Das scheint mir der Sonntags-Frühschoppen aller Männer von Zarewo zu sein. Man trifft sich, tauscht Neuigkeiten aus, fährt wieder weg oder bleibt zum Schwatzen länger. Da fast jeder mit seinem eigenen Auto kommt, wird kein Alkohol, dafür Kaffee aus dem Automaten getrunken.
Einer der Männer bringt uns zwei Espresso (Espressi?) und wir schwätzen auf deutsch miteinander. Er fährt regelmäßig nach Stuttgart und auch nach Oranienburg. Nette Situation.
Wir fahren über die Berge weiter zum Grenzübergang im Gebirge. Die Straße Nr. 99 kann man fahren ja, aber sie ist mit ihrer geflickten Oberfläche und Wellen und Absackungen eine Zumutung für unser Wohnmobil. 63 km in zweieinhalb Stunden sehr unruhige Serpentinenfahrt!
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| Warten an der Grenze. |
Hier waren wir vor Jahren schon mal. Viel auf europäischer Seite hat sich nicht geändert. Aber, wir sind schnell durch die Ausreise. Die Einreise in die Türkei war dieses Mal hier speziell. Dienst nach Vorschrift, unorganisiert, so wie wir es von den Türken noch nie erlebt haben. Stillstand für alle für vielleicht 15 min, weil die zuständige Mitarbeiterin zum Mittag essen war. Ersatz für sie gab es keinen?
Ok, so schlimm war das auch nicht.
Über die gut ausgebaute autobahnähnliche Straße in die nächste größere Stadt Kirklareli. Wir brauchen eine neue SIM-Karte für unsere Handys.
Dazu müssen wir erstmal einen Parkplatz in der Nähe der Innenstadt finden. Bei einem jungen Mann in einem Laden mit Händen und Füßen und etwas englisch „nachfragen“. Wir haben ja zu diesem Zeitpunkt kein Handy, keine kluge Klara mehr und damit auch kein Übersetzungsprogramm mehr. Es klappt! Nächste Ampel und dann 300m links, ebenfalls mit Händen und Füßen erklärt.
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| In Kirklareli |
Eine neue SIM-Karte bekommt man in der Türkei nur mit Reisepass und exaktem Ausfüllen von Formularen. Nach rund 50 min haben wir unsere neuen SIM-Karten 20GB für umgerechnet 20€. Das ist in Ordnung und dürfte für unsere Zwecke reichen.
Tanken in der Türkei ist ebenfalls nicht ohne. Der Tankwart tippt das Autokennzeichen in das Terminal ein, gibt mir einen Ausdruck, mit dem bezahle ich im Tank Shop, bekomme den Ausdruck zurück und gebe diesen dem Tankwart als Beleg für die Bezahlung zurück. Jetzt kann ich losfahren.
Das machen wir dann auch und fahren ans Schwarze Meer bei Kiyiköy. In der Dunkelheit kommen wir an einem Fischrestaurant an und dürfen dort übernachten. Im Gegenzug essen wir im Restaurant unser Abendbrot.

Die Bordkombüse bleibt geschlossen.
2. Oktober 2023, Montag
Den türkischen Teil des Schwarzen Meeres kennen wir im europäischen Teil nicht.
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| Unser Platz am Morgen |
Heute haben wir uns eine Route ausgesucht, die auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Durusu Golu und dem offenen Meer verläuft. Google kennt den Weg nach Karaburun und er scheint zu existieren. Zwischendurch meldet sich unsere Klara und deutet an, dass es einen besseren Weg gibt. Dieser Verläuft aber nicht über die Landzunge. Wir ignorieren Klara. Aber Klara hat einen klaren Verstand. Sie behält zum Schluss recht und wir drehen, nach einem Gespräch mit einem Einheimischen, um. Ab hier gibt es keinen Asphalt mehr, Schotter und was dann kommt können wir nur ahnen.
Großer Umweg um das Haff-artige Gewässer und siehe da, wir erreichen unser Ziel!
Morgen wollen wir über den Bosporus nach Asien. Dafür brauchen wir eine Plakette der Firma HGS. Diese kann man bei der türkischen Post „PTT“ bekommen. Um die Ecke soll es eine PTT-Stelle geben. Hin. Hier ist nichts. Jugendliche fragen, wir können ja jetzt perfekt türkisch. Klara übersetzt so, dass sie uns verstehen. Hier gibt es schon lange keine Poststelle mehr. 20 km weg, in Sahasi ist die nächst Filiale. Na dann, PTT du siehst uns morgen.
Baden bedeutet bei diesen Wellen nichts Gutes! Übernachten an der im Bau befindlichen Strandprommenade.
3. Oktober 2023, Dienstag
Tag der deutschen Einheit, Bruder Frank hat Geburtstag, anrufen per WhatsApp. Klappt super. Über das normale Telefon mit Roaming würde es 1,82€ pro Minute kosten.
Als erstes nach Sahasi zu PTT. Türkische Bürokratie. Keine Chance dagegen anzukommen.
Normal ist eine Nummer ziehen und auf den Anzeigentafeln auf die gezogene Nummer warten. Auf einem Stehtisch sehe ich ein Formular für die HGS-Plakette. OK, ausfüllen.
Meine Nummer erscheint, mit dem ausgefüllten Formular zum Schalter. Ich muss mich ausweisen. Der deutsche Personalausweis reicht nicht, obwohl man ohne Reisepass, nur mit Personalausweis, einreisen kann. Da der PA nicht reicht zum Auto, Reisepass holen. Das nächste Hindernis ist das Bezahlen. Per Kreditkarte geht nicht. Die nette Dame hinter der Corona-Scheibe akzeptiert nur Bargeld. Ich soll türkische Lira außen am Gebäude am posteigenen Bankautomaten abholen und dann kann ich in bar bezahlen. Ich also raus, die Sonne scheint auf das Display vom Bankomaten. Es ist kaum zu erkennen, was dort auf türkisch angezeigt wird. Eine Wahl der Sprache ist für mich nicht möglich. Nach dem ersten Fehlversuch beschließe ich einen Geldautomaten im Schatten zu suchen. Meine kluge Handy-Dame Klara weist mir den Weg, 300m entfern ist einer. Zurück zum Schalter. Jetzt bekomme ich endlich meine Platette.
Jetzt unser Ziel auf der asiatischen Seite eingeben und unsere Handydame Klara führt uns ans Schwarze Meer bei Sile. Der Hafen gefällt uns. Deutschtürken erzählen uns, dass es 50 km genauso schön ist.
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| Hafen in Sile |
Kaffee trinken im Hafen und weiter in die Hafen- und Urlauberstadt Agva. Stellplatz auf einem Parkplatz im Ort und dann Agva erkunden. Schöner breiter Strand, viele Gaststätten und es sind hier noch viele Urlauber unterwegs. Angenehm. Mit einem Paar, sie aus Hamburg, er aus der Türkei kommen wir beim Abendbrot ins Gespräch. Viele in Deutschland Geborene mit türkischen Wurzeln schauen sich die Heimat ihrer Großeltern an.
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| Unser platz in Aqua |
4. Oktober 2023, Mittwoch
Von Agva nach Düzce zum McDonalds. Bei McDonalds hat man zuverlässig gutes Internet. Bei Suchen des Routers, je dichter dran desto schneller die Verbindung, kommen wir mit zwei jungen Leuten ins Gespräch. Beide in Deutschland geboren und beide suchen aus ihren Vorteilen, die da sind - Zweisprachigkeit, Kenntnis zweier Lebenswelten, deutsche Berufsausbildung, deutsche Schulausbildung, deutsche Tugenden – ihre Zukunft in der Türkei zu finden. Sie betreiben ein Callcenter mit ebenfalls zweisprachigen Mitarbeitern und vermitteln so zweisprachige Auskünfte und Softpower an die Anrufer. Das scheint gut zu laufen. Ein sehr interessantes, angenehmes und offenes Gespräch.
Wir haben noch etwas Zeit. Weiter nach Bolu zum Übernachten am städtischen Erholungspark und Sportkomplex.
5. Oktober 2023, Donnerstag
In Ankara haben wir uns eine Werkstatt auserkoren, die unsere blinden Scheinwerfergläser auswechseln sollen. Wir finden die Werkstatt und werden an einen Spezialisten verwiesen. Er wird uns die Gläser fachgerecht für etwas über 10€ durchsichtig machen. Die blinde, verwitterte äußere Schutzschicht wird abgeschliffen, gesäubert und anschließend versiegelt Das Ergebnis ist für mich sehr, sehr überzeugend. Damit hatten wir nicht gerechnet.
Für die nächsten Jahre haben wir mit diesen Scheinwerfern gute Sicht. Nur, was in der Türkei gang und gäbe ist, ist in Deutschland nicht erlaubt. Zu Hause werden die Scheinwerfer komplett ausgewechselt, die Kosten dafür liegen im drei- bis vierstelligen Bereich! Das erfahre ich erst später und lese es dann tatsächlich auf der ADAC-Seite nach.
An einem See bei Ankara übernachten wir auf einem Stellplatz.
| Stellplatz bei Ankara |






















Hallo Dieter,
AntwortenLöschenhabe Deinen interessanten Bericht gelesen. Finde Eure Reise spannend, aber in diesen Zeiten auch mutig.
Wir hatten jetzt eine Woche Ferien, waren mit unserem Womo in Leipzig und kurz in Stettin.
Liebe Grüße - auch an Petra - und weiterhin gute Fahrt! Dirk & Familie